Griechenland

Fahrrad Kilometer: 1593 Kilometer

Griechenland = hügelig
Der Zöllner empfängt uns sehr freundlich und freudig fragt er uns, wohin es uns zieht. Natürlich nach Athen! Er meint nur noch: Mensch, das sind satte siebenhundert Kilometer! Und fügt hinzu: Willkommen in Griechenland und viel Spass!
Auf guten  asphaltierten Strassen, gebaut von den EU Geldern, führt es uns über ein paar Hügel bis endlich das erste Dorf, Kato Nevrokopi, eher im spanischen Stil, um die Ecke kommt. Weiter gehts durch hinreissende Landschaften und so fallen wir nur noch müde ins hohe Gras. Nach dem Lunch ein Frontnickerchen.
Wir merken das erste Mal, wie teuer Griechenland ist, bei einem Glacé Halt in Serres. Es ist immer noch günstiger als Italien, aber im Vergleich zu Bulgarien oder Rumänien, ist es ein schmerzliches umgewöhnen.

Miese Tage
Durch eine abgesperrte Strasse führt es uns zum nächsten Pass. Sehr steil und viel zu lang. Markus, mein deutscher Begleiter, hat vor dem Bergpreis ein Plattfuss. Gleichzeitig jammert er über unwohl sein, dennoch fährt er immer noch schneller als ich bergauf. Bei einem Denkmal oben auf dem langezogenen Hügel kotzt er seine Eigengeweide raus. Der liebe Gott flüstert einem vorbei spazierenden Herrn in Begleitung von zwei bildhübschen Griechinnen etwas ins Ohr. So fragt eine der Hübschen, ob wir Wasser möchten. Ihr Haus steht grad vis-a-vis von unserem verkotzten Platz. Wie es heraus stellt, ist es der Vater von diesen zwei hübschen Girls, die dritte kommt freudesstrahlend aus dem Haus getanzt und erklärt uns, das riesige Haus sei nur ihr Ferien- oder Weekendhaus. Die Oma und die Mutter möchten alles wissen, so übersetzen die Töchter unsere Geschichte.
Die ältere studiert Jus, die Mittlere Biologie und die Dritte möchte Lehrerin werden. Vom langen Reden und auf die entzückenden Mädchen guckend, wird es mir immer schlechter. Wir verabschieden uns und fahren nicht weit bergab bis ein schöner Park erscheint. Da liege ich im Gras und sage nichts mehr. Sind es die steilen Hügel? Oder nur weil ich zu viel Hunger habe? Oder weil ich mit dem armen Markus Mitleid, der jetzt ein leeren Magen hat, habe? Eine Familie, die nebenan ein Sonntagsfest veranstalten, offeriert uns Steaks, mit Tomaten, Gurken, Kuchen und Wasser Melonen.
Immer noch schwach gehts am nächsten Tag weiter bergauf, bergab bis es endlich ganz nach unten geht nach Thessaloniki, die erste grosse Stadt, direkt am Meer. Üblicherweise gelangen wir auf die Autobahn. Durch ein Loch im Zaun fliehen wir auf eine parallel Strasse. Achtung Dornen im Gebüsch: Plattfuss an Markus Vorderrad.
Glücklicherweise habe ich eine super elektronische Karte. Ich fluche über das Wirrwar von Strassen. Belohnt werden wir von einem leckeren, griechischen Salat, geschenkt von den Thessa-Girls.
Ich rieche den Regen und weil ich sowieso völlig übermüdet bin, geniessen wir einen Ruhetag in Makrigialos. Einen schönen Camping direkt am Meer. Es schüttet wie aus Kübeln, so dass es in mein Zelt tropft, aber ich bleibe trotzdem trocken. Die zweitletzte Bettlaus kille ich ohne mit den Augenbrauen zu zucken.

Klöster auf Felsen
Die ersten fünfundzwanzig Kilometer esse ich viel, da ich weiss, dass wieder mal ein Monsterpass bevor steht. Die Griechen können einfach keine nach oben ziehende Strassen bauen. Die Kurven planen sie nicht mit einem grossen Bogen (so wird es flacher), sondern direkt herum, so kommt es, dass die Innenkurve fast unüberwältigend steil ist. In der Mitte verzeichne ich meinen zweiten Platten auf meiner Reise. Brot kauend flicke ich den Hinterrad Reifen, umzingelt von vielen Schafen und bellenden Hunden. Der Hirt schaut verwundert zu.
Nach dem Pass gehts rasant runter auf eine wunderschöne Hochebene, ringsherum Berge, Landwirtschaft, geschmückt mit triefend schwarzen Wolken.
Ich lasse Markus weiter ziehen, da ich einfach nicht mehr kann. Ich quäle mich mit starkem Durchfall und den schwächsten Beinen den nächsten Pass hoch. Obwohl es einmal nicht steil ist, fahre ich nur in den ersten drei Gängen. Einmal stossend, dann wieder ein Stück fahrend komme ich sehr langsam zum höchsten Punkt. Der letzte Tropfen Wasser habe ich schon lange getrunken. So stoppe ich ein Auto und bitte um Wasser. Es schmeckt nach Zigarrette, weil alle Insassen Raucher sind. Wenig später überholt mich ein Camper mit Ösi Kennzeichen. Ich schwenke meine leere Flasche in der Luft und siehe da, er hält an. Er nimmt mich mit bis nach Kastraki (nur 60Km). Direkt in die Apotheke, um ein Imodium zu kaufen und dann auf den nächst schönen Camping Platz. Da ruhe ich mich zwei Tage aus. Ich verpasse rein gar nichts, es schüttet ununterbrochen durch.

Am dritten Tag fahre ich ohne Gepäck entlang Meteora. Staunend schau ich mir die Klöster an, die gefährlich hoch oben auf Sandsteinfelsen im 11. Jahrhundert gebaut wurden. Der Name Metéora leitet sich von meteorizo ab, was „in die Höhe heben“ bedeutet. Die gesamte Anlage besteht aus 24 einzelnen Klöstern und Eremitagen, von denen heute nur noch sechs bewohnt sind. Die restlichen achtzehn Klöster sind entweder zu schwer zu erreichen oder wurden wegen Einsturzgefahr verlassen.
Mein Favorit ist das Agía Triáda Kloster (Heilige Dreifaltigkeit). Das Kloster wurde wahrscheinlich zwischen 1458 und 1476 gebaut. Genauere Daten sind nicht überliefert. Die Anlage ist noch immer bewohnt. Ursprünglich war der Zugang nur über Seilwinden und Strickleitern möglich. Erst seit 1925 gibt es eine Treppe. Die Kirche ist mit Fresken ausgemalt, die aus dem Jahre 1741 datieren. Bemerkenswert ist auch ein Evangeliar aus dem Jahr 1539. Das gedruckte Evangeliar mit silbernem Deckel stammt aus Venedig. Dieses Kloster wurde weltweit bekannt, da ein Teil des James-Bond-Filmes In tödlicher Mission darin gedreht wurde.

Athen
Mit Rückenwind rase ich von Kastraki über eine weite Ebene an unzähligen Baumwoll Plantagen vorbei. Die Hauptstrasse ist einfach zu unpersönlich, so biege ich nach einem schmucken Städtchen nach rechts ab. Entlang der rechten Hügelkette, die die ganze Ebene umzäumt, pedale ich in genüsslicher Fahrt immer ein paar Meter höher als die Ebene. So habe ich immer einen weiten Ausblick über das Land. Anstatt den stinkenden und rasenden Autos finde ich freundliche Leute vor, die einem grüssen, winken oder sogar anhalten, um mich zu befragen und wünschen mir viel Glück. Der Polizist, nicht im Dienst, schwärmt von der Schweiz, von den kunstvollen Dörfer. Ein Verkäufer sagt bestimmend ich sei ein Hero. So empfahl ich ihm, mir ein Smarties zu schenken. Bei einem Hügel fahre ich langsam hinauf und die Lastwagen langsam hinunter. Der Erste hupt, der zweite hupt verrückter und das folgende Auto hupt am krassesten mit Gejaule. Die Insassen im letzten Auto blicken nur erstaunt aus dem Fenster. So macht es Spass, wenn die Leute auf den Strassen mitleiden oder mich aufputschen oder anspornen weiter zu kommen.
Da meine Beine sich anfühlen wie Pudding schaff ich es leider nicht nach Athen, wo ich meinen 36. Geburtstag hätte feiern können. So kaufe ich in einem kleinen Laden ein Swiss Cake und finde wenig später ein gut verstecktes Plätzchen direkt am Strand. Da geniesse ich einen freien Tag. Ich fahr doch nicht Velo an meinem Geburtstag, oder?

Wie von der Hexe verfolgt, gehts mir am darauf folgenden Tag an den Kragen. Zuerst kann ich still gelegte Strassen befahren, ohne dass mich ein Auto überholt, hoch oben fahrend an einem ansehnlichen See vorbei und dann…pffff! Der 3. Plattfuss. Ich flicke ihn, esse dann ein feines Sandwich, welches ich vorher in einer Bäckerei gekauft habe. Strassenarbeiter fahren vorbei und fragen ob alles ok sei. Jaja! In den Büschen hängt ein Slip, Strümpfe und ein BH. Nanu! Will gerade weiter fahren, nicht pfff, sondern ist schon platt. *grmpf..* Ist ja logisch, wenn es ein Dorn im Reifen hat, wird es bestimmt noch einen zweiten haben oder noch einige mehr. Wieder was dazu gelernt.

Vor Athen, was denn sonst, gehts über einen letzten Pass (920m.ü.M.) mit imposanten Ausblicken über Hügeln, Berge, dann kommt das Meer und zuletzt ein Häusermeer; das muss wohl Athen sein. Von der Passhöhe bis zu meinem Hostel ist die Strasse nur abfallend, welch eine Wohltat! Anstatt die Stadt an zu schauen, tapse ich zum nächsten Veloshop, bei dem ich einen neuen Fahrradmantel kaufe. Dies Mal lasse ich meine Wäsche professionell in einer Laundry waschen, so riechen sie wieder einmal angenehm. Flink ergattere ich ein Ticket für das National Museum. Bezahlen würde ich sowas nie im Leben, es ist einfach zu langweilig, aber gratis macht es noch Spass.

Nach einem gesunden Frühstück schlendere ich zur Akropolis. Nebst dem teuren Eintrittsticket hat es abertausende von Touristen, die auf die berühmte Burg aus dem 13. Jahrhundert vor Christus zuströmen. Es ist unmöglich dorthin zu laufen wo man will, man wird regelrecht mit gerissen. Die imposanten Bauwerke ergreifen mich trotzdem und staune, wie gescheit sie früher bauten ohne Maschinen. Ich bin nur froh, dass hier kein und ich hoffe für alle Menschen dort, nie ein Attentat verübt wird. Wohin ich auch gehe, nur Touristen und alle meinen, sie müssen tausende Fotos mit nach Hause nehmen. So breche ich einen neuen Rekord, indem ich nach nur einem halben Tag die Stadt angesehen habe. Zurück im Hostel widme ich meinem Tagebuch, Homepage und wechsle den neu gekauften Reifen.

Überfall
Früh am Morgen an einem Sonntag verlasse ich Athen. Bis zur nächsten Insel hört die Stadt nicht auf, erst als ich über einen Hügel strample, eröffnet Griechenland seine schönsten Ecken. Auf ruhigen Strassen fahre ich entlang türkisfarbenem Meer. Die Kriegsschiffe fahren raus, um die Flüchtlinge zu retten. Zurück auf dem Festland ist die Küstenstrasse auch leer, dank einer parallel Autobahn. Hügelig, aber mit traumhafter Kulisse gelange ich zum Corinth Kanal. Da sie einfach quer durch die Landzunge einen Kanal raus gestochen haben, sind die Wände senkrecht bis zu vierundachtzig Meter hoch. Ungewöhnlich wird die Brücke ins Wasser gelassen, damit die Schiffe passieren können.
Weiter schaue ich auf meinem OSM-App wie ich ungestört, jedoch schnellstens nach Patras komme. Blödsinnigerweise führt die Strasse direkt durch ein Roma-Dorf. Ich werde umringt von etwa dreissig Kindern. Nur ein einziger Bub macht mir das Leben schwer. Er packt eine kleine Ortlieb Tasche, die ich hinten an der grösseren Ortlieb Tasche fest gemacht habe, und rennt wie von einer Biene gestochen davon. Ich natürlich hinterher, weil sich da das gesamte Reparatur Material darin befindet. Bevor ich es wieder in meinen Händen halte, ist der gleiche 10-jährige Junge schon wieder beim Fahrrad und stehlt dies mal mein Tablet, welches auf meiner Lenkertasche fixiert ist (war).
Ich kann nur noch mit schmerzenden Augen nach gucken, wie er davon springt, ein Erwachsener hinterher. Wahrscheinlich der Elektro-Profi, der das Tablet im Nu auf Standard setzt, um es schnell verkaufen zu können. Leider hat er Pech, ich bin schneller: Ich rase zur nächsten Polizei Station, gebe ihnen die Koordinaten wo ich überfallen wurde durch, sie holen ihre Knarre aus dem Schrank und flitzen mit einem alten Auto zum Dorf, leider ohne mich. Nach zwei Stunden kommen sie zurück mit dem Tablet und geben es dem überglücklichen Besitzer zurück. What a shit/wonderful day!

Besuch bei Roli’s Family
Die zwei schönsten Tage in Griechenland verbringe ich auf der Insel Zakynthos. Eigentlich nicht auf meinem Weg, aber das will ich mir nicht entgehen lassen. Nach zwei anstrengenden Tagen erreiche ich mit einer nicht streikenden Fähre eine der schöneren Insel in Griechenland. Weil es schon eindunkelt und ich zuerst noch einen Plattfuss reparieren musste, bewältige ich die dreiundzwanzig Kilometer bis zur Roli’s Villa in Rekordzeit.
Roli und sein Freund mieten je eine Villa, in der sie etwa fünf Tage ihre Ferien verbringen. Sie empfangen mich herzlich. Die Freude ist riesengross, weil es ungwöhnlich ist ein Freund auf einer langen Reise zu treffen.
Am nächsten Tag beschliessen die beiden Familien ein Boot zu chartern. Zu elft tuckern wir raus aufs Meer. Bei ein paar Höhlen schnorcheln wir, um sie aus zu kundschaften. Bei einem weiteren Halt faulenzen wir an einem menschenleeren Strand, essen viele Früchte und Caprice. Zwischendurch zwängen wir unsere armen Füsse in viel zu enge Kletterfinken und klettern die steilen Felswände ungesichert hinauf. Wenn die Beine anfangen zu zittern, ist es ein Zeichen dafür, dass man zu hoch ist für das Gemüt und springt wieder hinunter. Da ich noch ein wenig länger weiter reisen will, springe von etwa fünf Metern, doch die anderen von etwa zwölf Metern…
Am zweiten Tag verbringen wir unsere Ferien unter Wasser. Ich geniesse das schwerenlose Schweben in vollen Zügen, beobachte kleine Fische, die Räuber & Police spielen, eine Moräne, die am liebsten Roli’s Hand schnappen will und erforschen dann tiefschwarze Höhlen. Am Ende einer Höhle tauchen wir auf und können bis zum Tauchboot „rausgucken“.
Leider verschmelzen solch schönen Tage viel zu schnell und ich muss schon wieder Abschied nehmen. Vielen Dank Roli und Co. für diese super Ferientage, ihr wisst genau, wie man Ferien mit einer Familie verbringt. Weiter so!

Auf Umwegen zum nächst schönen Ort
Ein Schmugglerschiff, beladen mit Zigaretten und Alkohol, strandete 1980 bei stürmischer See in einer Bucht im nördlichen Teil dieser Insel. Ein Besuch ist nur über den Meeresweg möglich, allerdings gibt es eine Plattform oberhalb der Felsen, von der man aus das Schiff auch sehen kann. Und dahin mühe ich mich ab, über steile Hügel mit Blick auf das Meer. Das Wrack, genannt Navagio, ist umgeben von einer bis zu zweihundert Meter hohen Felsmauer, bei der das Schiff auf dem kleinen Sandstrand gross und fehl am Platz wirkt, so wie es für gestrandete Schiffe nunmal üblich ist.
Ich stelle meine Reisegefährtin Sisi* bei einem Leuchtturm ab und besuche die Blue Caves. Mit einem Boot geht es von einer Höhle zur nächsten. Der Name der Höhlen kommt von den blauen Korallen, die unter Wasser an den Wänden wachsen. Ich schlage mein Camp hinter dem Leuchtturm auf, koche was geniessbares, klettere auf das Vordach des Turmes und schaue kauend aufs helle Meer, erleuchtet vom Mond. Eine Fähre fährt weit unter mir zur nächsten Insel. Zum Glück fotografiere ich es nicht! Denn am nächsten Tag erfahre ich, dass dies die letzte Fähre dieser Saison war. Mit einer Mordswut mühe ich mich über die mordsteile Küstenstrasse zum Ausgangspunkt zurück. Und wieder durch das gefährliche Patras, das belagert wird von Gipsies und hie und da von starken Erdbeben heimgesucht wird.
Ähnlich traumhaft schön wie die Ocean Road in Südaustralien schlängle ich mich dem Berg entlang mit hüpfenden Blicken runter aufs Meer, begleitet von einem Engländer, der Richtung Rumänien fährt.
Lefkada, ist es nun eine Insel oder eine Halbinsel? Niemand weiss es genau. Doch hoch auf dem Hügel erkenne ich, dass die Strasse aufgeschüttet wurde und als ich dann noch über eine Brücke fahren muss, wusste ich es haargenau!
Mein Zelt darf ich im Garten vom Kite & Surf Resort aufschlagen, welches sich an der Milos Beach befindet. Da ich mich ausbreiten und hier für ein paar Tage bleiben kann, kaufe ich mir leckere Sachen ein. Nach dem Kochen vor dem Zelt, hocke ich auf einen Liegestuhl am Strand, esse mein göttliches Mahl und lausche der Brandung.
Vor dem Frühstück spaziere ich dem Strand entlang, schaue mir die Mühlen an, esse ein sehr gesundes Müesli und lasse mein Pelz bräunen bis ich ein Mail bekomme, ob ich mitkommen will zum Fliegen.
Das erste Mal in meinem Leben fliege ich über türkisblauem Meer und lande sanft auf weichem Sand, inmitten faulen Touristen. Der zweite Flug mit meiner Ozone ist dann schon viel besser, weil ich gute Thermik erwische und so den Startplatz überhöhen kann. Am Ende soare ich einige Minuten dem Hügel entlang, fliege über nackte Mädchen, bevor ich, dies Mal den richtigen Strand erreiche.
Zurück im Resort lädt mich der Besitzer ein das Flyboarding aus zu probieren. Ich schaue mir zuerst diese neue, aussergewöhnliche Sportart vom Strand aus an, bevor ich mich in die Fussfesseln wage. Denn vom Zuschauen lernt man sehr viel. Es sieht einfach aus, doch bevor ich hoch über den Jetski schweben kann, haut es mich immer wieder aufs harte Nass. Nach einer Weile kriege ich es ziemlich gut in den Griff und kann mich einige Sekunden über dem Wasser halten, bis zu drei Meter hoch, bis ich wieder die Kontrolle über mich verliere. Nach einem harten Aufprall auf Kopf und Niere, indem es mir den Atem wegpustet, düse ich zurück zum Strand. Ein absolutes Muss für Euch, dies in Euren nächsten Ferien aus zu probieren! Tipp für einen heissen Ort: Milos Beach, Insel Lefkada, in Griechenland.

Am Anfang hat mir Griechenland überhaupt nicht gefallen. Die steilen Hügel machten meine Beinmuskulatur beinahe taub. Der Regen hielt mich insgesamt drei Tage lang im Zelt. Ich schaffte es bis Griechenland ohne einen einzigen Plattfuss, aber im Dornenland hält auch Schwalbe Marathon nicht stand. Zuletzt machte mir das Unwohl sein zu schaffen. Die riesen grosse Hauptstadt Athen konnte mein Gemüt auch nicht aufheitern, da mir tausende Touristen auf den Füssen herum trampeln. Die Stadt verlassend, heitern mich traumhafte Küstenstrassen auf, doch die Freude war nur kurz und ich wurde überfallen von den Gipsies. Diese elenden Bastards klauten mein Tablet und die Verbindung zum Raddynamo. Bei der freundlichen Polizei wurde ich wieder zuversichtlicher und probiere doch noch das Land zu mögen. Bei einem Schwatz mit Österreichern auf Motorrädern krachte es hinter uns. Ein Autofahrer übersah ein Moped. So kann ich mich doch glücklich schätzen, dass ich nur über steile Hügel und durch Orkanartigem Regen fahren muss und nicht verletzt bin oder werde.
Bei Roli’s Familie schloss ich definitiv mit dem Negativen ab und freute mich mit den zwei Familien ein paar schöne Tage zu verbringen. Dass die Fähre nicht mehr fährt, ist halt Pech gewesen und dass ich mehr als hundert Kilometer zurück fahren muss um so mehr, aber ich sah so andere schöne Dinge. Das Land des schwindenden Euros wollte ich mir an einem schönen Ort ausklingen lassen. Dies ist mir prächtig gelungen. Gleitschirm fliegen oberhalb weissen Stränden und Flyboarding entzückte mich wahnsinnig.
So war es mir völlig egal, als ich am letzten Tag in Griechenland im strömenden Regen nach Igoumitsa donnere.

Übrigens, die letzte Bettlaus habe ich nach mehr als zwei Wochen gekillt. Es sind winzige Tierchen, die immer davon hüpfen, wenn man sie einfangen will. Ihr Todesurteil kann man nur mit den Fingernägel, indem man sie in zwei Stücke teilt, vollbringen. Es war die reinste Hölle! Ich habe mich nicht nur während dem Tag gekratzt…. so kam ich in diesen Tagen zu sehr wenig Schlaf.

Bis zum nächsten Mal Freunde!
Euer Stephan

*) Ich suchte lange nach einem Namen für meine Reisegefährtin, mein Tourenrad. Natürlich müsste es ein weiblicher Name sein. Nach dem Besuch des Ferienpalastes von der Österreichischen Kaiserin Elisabeth, ging mir ihr Spitzname Sisi nicht mehr aus dem Kopf. Weil es so ein ulkiger Name für eine Herzogin ist. So kam ich zum Schluss mein Fahrrad Sisi zu nennen. Die offizielle Taufe ist noch nicht erfolgt…